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Nixenschwimmerei im Sommer

June 29, 2013

Nixenschwimmerei im Sommer

Die Hallen sind jetzt immer “Sommer” zu. Die Masters der Charlottenburger Nixen dürfen zweimal pro Woche am Abend im Sommerbad des Olympiastadions auf 2 Bahnen trainieren. Master ist man ab 25 Jahren. Wir treffen uns auf dem riesigen Vorplatz und gehen als Gruppe rein. Es gibt eine ziemlich kleine Umkleidekabine für Vereine mit nicht abschließbaren Fächern, 2 Duschen in einem vielleicht 3m x 3m großen Raum. Die Bahnen sind 50 m lang, das fühlt sich nach den 25m Bahnen in der Halle unglaublich lang an. Ich wurde eingeladen, mit den Masters mitzuschwimmen. Ich fühle mich eher wie eine bleierne Ente, die hinterherhetzt. Es gibt Wellen, ich verschlucke mich oft, die Arme schmerzen. Es ist vertraglich festgelegt, dass ein Trainer anwesend sein muss. Und der ist Triathlon-Sportler. Er sagt dann: 300 m locker einschwimmen, dann 400 m in deiner bevorzugten Lage, die ersten 100 m locker, und dann immer schneller werdend durchziehen. Oder: 20 m Kraul Beine, dann die restlichen 30 m auf der Bahn sprinten. Meine Schwimmbrille beschlägt regelmäßig nach etwa 6 Bahnen. Mein Puls steigt, ich höre mich von innen, es pocht in den Ohren gegen die Nixen-Silikonbadekappe. Ein bisschen ist das Schwimmen im Olympiabad wie in einer riesigen Schleuse, weil es rechts und links Zuschauertribünen gibt. Keiner feuert mich an. Da gibts auch nix zum Anfeuern.

Beim 2. Training mit den Masters – die älteren sind zwischen 60 und 70 Jahre alt – fiel es mir gerade mal etwas leichter. Manche nehmen noch Schwimmpaddels, das sind quasi Flossen für die Hände. Die sind dann noch schneller und ziehen elegant an mir vorbei. Ich staune, wieviel Kraft die eher schlanken Frauen haben. Irgendwann, wenn ich keine Bleiarme mehr habe, werde ich die Paddels auch ausprobieren.

Ich gehe vor dem Ende der Trainingszeit duschen, um den Stau in den spärlich vorhandenen Duschen abzumildern. Schon angezogen warte ich auf einer Steinbank unter der Tribüne auf die anderen Nixen, die über 3000m trainieren. So wie wir geschlossen reingehen, gehen wir auch raus. Jetzt ist es noch dämmerig gegen 21:30 Uhr. Später im Herbst wird es wohl stockdunkel sein. Da geht es sich angenehmer in der Gruppe.

Im Springerbecken beobachte ich eine Gruppe von Schwimmern mit Riesenflossen, Badekappen mit Ohrschutz, Männer und Frauen. Sie tauchen urplötzlich senkrecht ab. Das Wasser ist ganz wild wegen der Flossenaktivität. Eine Frau aus der Gruppe frage ich, nachdem sie ihr Spiel beendet hatte, was das denn für ein Sport sei. Sie sagt: Unterwasserrubgy. Ich lerne, dass Körbe auf dem Beckenboden aufgestellt sind, in die ein Ball befördert muss. Der Ball ist 4,5 kg schwer, außerhalb des Wassers, und er ist mit Salzwasser gefüllt. Sie zeigt mir mit einer Hand in welcher Geschwindigkeit der Ball sinken würde, wenn man ihn unter Wasser losließe. Bei offiziellen Spielen gibt es einen Schiri unter Wasser, der mit Flasche unten bleibt und 2 Schiris oberhalb der Wasseroberfläche. Sie lädt mich zu einem Probetraining ein. Ich lehne dankend ab. Das Becken ist mehr als 5 m tief und man muss den Druck ausgleichen können. Ich kriege schon bei der Vorstellung Panik.

Gestern war ich im wilmersdorfer Sommerbad am Lochowdamm schwimmen. Das war der pure Luxus, gepflegte Rasenflächen, kaum Leute, nur ein paar Schwimmer, die auch eher sportlich unterwegs waren, kein Schleusengefühl, manchmal schien sogar die Sonne, 3 durch Leinen abgetrennte Bahnen, die einem beim Rückenschwimmen die Orientierung erleichtern. Und eine ganze Reihe von Duschen. Da werde ich mich demnächst wieder einfinden.

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From → daily stuff

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