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Ach Glück

May 27, 2013

Ach Glück

Vor einigen Monaten traf ich Monika Maron in unserem Buchladen am Bayerischen Platz mit ihrem schwarzen Hund. Ich wusste an diesem Tag noch nicht, dass es Monika Maron war. Sie erzählte von ihrem Schriftstellertreffen in Guadalajara, Mexiko.
Jetzt las ich “Ach Glück” von ihr. Der Roman ist in Berlin und in einem Flugzeug angesiedelt, in dem Johanna nach Mexiko fliegt, um mit einer 90jährigen Briefbekanntschaft, fast schon Brieffreundin, die Künstlerin Leonora Carrington ausfindig zu machen. Johannas langjährige Ehe ist bloße Routine – wenn überhaupt – und sie fliegt das erste mal allein, lässt während des 12 stündigen Flugs ihr Leben Revue passieren. Ihr Mann Achim streift währenddessen durch Berlin, kehrt im Café Einstein ein, spaziert durch den Kiez, sinniert darüber nach, wann seine Frau angefangen hatte, sich zu verändern. Es hatte wohl damit begonnen, dass sie einen schwarzen Hund aufgelesen hatte und ihn nach Hause nahm. Und der machte nichts anderes, als sich am Leben zu freuen und Liebe auszustrahlen. Immer. Im Gegensatz zu Achim, der seiner Frau vom Arbeitszimmer mit geöffneter Tür nur den Rücken zuwendet.
Der Roman hat mich angesprochen: das Thema der langjährige Beziehung, das Altern, das Leben mit einem Hund, Gedanken über Sitznachbarn und Turbulenzen auf einem Langstreckenflug, Berlin, Mexiko, Neuanfänge, schöne Sprache. Empfehlung.

S. 154. Bredow lag zwischen ihren, dem Kamin zugewandten Sesseln, den Kopf in die Richtung von Hannes Strahl, und wedelte ab und zu träge mit dem Schwanz. Hannes streichelte ihm die Stirn, sah ins Feuer und sagte: Ein gelungenes Leben, gibt es das überhaupt? Kennen Sie Joseph Campbell? Ein amerikanischer Mythenforscher, von dem der Satz stammt: follow your bliss. Berstehen Sie, was das heißt? Bliss ist so etwas wie ein inneres Wissen über sich selbst, die eigene Vorstellung von Glück.
Glück? sagte Johanna. ….
Hannes nahm seine Hand von Bredows Kopf, um Kaffee nachzugießen. Bredow stand auf, drehte sich einmal um sich selbst, als wollte er seine Gliedmaßen neu ordnen, und legte sich wieder hin, diesmal mit dem Kopf zu Johanna.
Sehen Sie, sagte Hannes, der folgt auch seinem Bliss. Wenn ich ihm meine Hand entziehe, sucht er sich eine andere.
So einfach ist das?

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From → daily stuff

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